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Inhaltsübersicht
Inhalt der Gestalttherapie
Die Gestalttherapie wurde von Laura und Fritz Perls ab ca. 1940 entwickelt. Geprägt durch Erfahrungen in den zwei Weltkriegen war die Abspaltung von Gefühlen wie z.B. Aggression und die Selbstentfremdung ein zentrales Thema. Fragen, die in der Gestalttherapie auftauchen, lauten z. B.:"Welche inneren Bedürfnisse oder Impulse will ich oder darf ich nicht wahrhaben und ausdrücken?" In der Gestalttherapie geht man davon aus, dass derart abgepaltene Impulse oder Bedürfnisse zu inneren psychischen Konflikte führen, welche sich hemmend oder störend auf das aktuelle Erleben und Verhalten auswirken.
Ein weiterer wichtiger Punkt in der Gestalttherapie ist die Arbeit an der Projektion von psychischen Inhalten. Was innerlich abgespalten ist, wird gerne auf andere Menschen oder Situationen projiziert: "Nicht ich bin aggressiv, sondern mein Gegenüber." Beispielsweise kann eine derart abgespaltene und projizierte Aggression zu Angststörungen oder starken Hemmungen führen (oder auch zu starken Aggressionsentladungen). Projiziert werden nicht nur Impulse und Bedürfnisse, sondern auch innere negative Selbsteinstellungen die so zu sozialen Phobien oder Hemmungen führen können.
Ziele und Methoden der Gestalttherapie
Das Ziel in der Gestalttherapie ist die Integration der selbstentfremdeten emotionalen Anteile. Methodisch wird ein sog. experimenteller Ansatz gewählt: Die Aufmerksamkeit richtet sich auf das aktuelle Verhalten und Empfinden. So konnte zum Beispiel eine Schmerzpatientin durch die bewusst-aufmerksame Wahrnehmung einer unabsichtlichen Armbewegung einen unterdrückten Wunsch aus der Kindheit ins Bewusstsein heben, Tennis spielen zu wollen. Ein derart unterdrücktes Bedürfnis (gerade wenn die Bedürfnisunterdrückung durch Erziehungspersonen mit Gewalt durchgesetzt wurde) kann durch chronische Muskelanspannungen zu Schmerzen und sekundären organischen Störungen führen.
Spannend ist auch die Möglichkeit, durch Traumarbeit Projektionen aufzulösen: In der Gestalttherapie wird davon ausgegangen, dass emotional wichtige Traumbestandteile entfremdete, auf die Traumfigur oder den Traumgegenstand projizierte Anteile des eigenen Selbst sind. Beispielsweise kann bei unterdrückter Wut ein Träumer von Wölfen verfolgt und gebissen werden. Solche Albträume hören erst dann auf, wenn es dem entsprechenden Menschen gelingt, die von sich entfremdeten Anteile und Impulse wieder zu einem Teil von sich zu machen, also sie zu integrieren und die Wut in konstruktive selbstverantwortliche Bahnen zu lenken.
Auch in der Arbeit mit Tinnitusbetroffenen kann die Arbeit mit den eigenen Projektionen lohnend sein. Projektionen können einen Tinnitus noch mehr "negativ aufladen" und damit den Umgang mit dem Tinnitus erschweren. Ist die Projektion aufgelöst, gelingt die Tinnitusbewältigung leichter.
Durch die Betonung des gegenwärtigen Erlebens, durch Techniken wie der Traumarbeit wird in der Gestalttherapie an der Integration von hemmenden oder projizierten emotionalen Anteilen gearbeitet und erreicht damit:
- Klärung von inneren und äusseren Konflikten.
- Bewusstwerdung und Integration von unterdrückten Impulsen und Bedürfnissen. Damit werden innere Einschränkungen aufgehoben, die "innere Energie" kommt mehr in Fluss und auch psychosomatische Erkrankungen können aufgelöst werden.
- Das wichtigste Ziel: Menschen leben mehr nach ihren eigenen Möglichkeiten, sie entfalten ihr Potenzial.